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Mariner Arten- und Biotopschutz e.V.
c /o Stefan Schäfer
Zum Biegeberg 4
34599 Neuental-Waltersbrück
Deutschland
Kontakt

Zuchtanleitung

Technik
Das brauchen Sie für eine erfolgreiche Nachzucht:

Aufzuchtbecken
In diesem Becken werden die Jungtiere großgezogen, nachdem sie vom Männchen entlassen wurden. Bedenken Sie aber, dass ein Becken nicht reichen wird, wenn Sie weitere Nachzuchten haben wollen. Ein gutes Pärchen laicht häufig im Rhythmus von sechs Wochen ab.

Unsere Empfehlung für die Beckengröße:

  • Beckengröße 50 – 150 L

Die für Sie optimale Beckengröße ist abhängig von:

  • Häufigkeit, mit der Sie füttern können
  • Futtermenge
  • Häufigkeit der Wasserwechsel
  • Art der Filterung

Wählen Sie die Beckengröße so aus, dass Sie die nötige Futterdichte und die nötige Wasserqualität gewährleisten können. Becken unter 50 L können anfangs verwendet werden, Sie müssen aber die Nachzucht später in ein größeres Becken umsetzen! Kleiner als 20 L sollte so ein Becken allerdings nicht sein.

Filterung
Abhängig von der Beckengröße, kommen folgende Arten der Filterung in Frage:

  • Luftheber
  • Bypass
  • Abschäumer

Generell ist der Bypass die optimale Lösung, da sich das Wasservolumen durch dieses Verfahren wesentlich erhöht. Aber auch mit (luftbetriebenen) Abschäumern und Lufthebern lassen sich Nachzuchten erfolgreich aufziehen.

Beckeneinrichtung

  • Makroalgen
  • Diadem Seeigel oder ein künstlicher Seeigel (Attrappe)

Höhere Algen, wie Caulerpa taxifolia, sind absolut empfehlenswert. Sie haben offensichtlich einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Jungtiere. Es entspricht dem natürlichen Verhalten der Jungtiere, in den Stacheln eines Diadem-Seeigels Schutz zu suchen. Obwohl der Seeigel für den Zuchterfolg nicht ausschlaggebend ist, empfehlen wir zumindest die Verwendung einer Attrappe, um die Jungtiere möglichst artgerecht aufzuziehen. Suchen Sie einmal im Internet nach „künstlicher Seeigel“. Sie finden sicher eine Lösung, die auch für Sie einfach herstellbar ist.

Beleuchtung
Die Beleuchtung ist für das Zuchtergebnis offensichtlich unwesentlich, eine schwache Beleuchtung ist ausreichend. Sind höhere Algen im Becken, muss natürlich entsprechend mehr bzw. stärker beleuchtet werden.

Wasserqualität
Eine möglichst gleich bleibend gute Wasserqualität ist für den Zuchterfolg entscheidend. Welches Salz Sie verwenden wollen, bleibt Ihnen überlassen. Alle Markensalze haben sich bewährt. Viel wichtiger als das verwendete Salz sind die Wasserwerte.

Wasserwerte und Wassertemperatur
Kritische Werte sind:

  • Ammonium (NH4)
  • Nitrit (NO2)

Ammonium und Nitrit dürfen nicht nachweisbar sein. Die übrigen Wasserwerte sollten sich im
Bereich der optimalen Werte für Riffaquarien bewegen und die Wassertemperatur sollte möglichst konstant zwischen 23 °C und 27 °C liegen.

Wasserwechsel
Wasserwechsel sind das Instrument, um die Wasserqualität zu gewährleisten. Sie müssen, abhängig von der Beckengröße, der Futterbelastung und der Art der Filterung, Ihren eigenen Wechselintervall finden. Messen Sie vor allem die Ammonium-, Nitrit-, Nitrat- und Phosphatwerte regelmäßig und passen Sie die Wechselintervalle daran an.

Becken, die nicht im Bypass betrieben werden, benötigen häufigere Wasserwechsel:

  • Bis zu 50 L Beckenvolumen alle 1 – 2 Tage Wasserwechsel von 10 %
  • Ab 50 L Beckenvolumen können wöchentliche Wasserwechsel von 10 % ausreichen

Das Zuchtpaar

Haltungsbedingungen
Die Marubis Haltungsempfehlungen geben Ihnen erschöpfend Auskunft über die Haltungsanforderungen des Zuchtpaares.

Alter des Zuchtpaares
Das jüngste uns bekannte Zuchtpaar laichte im Alter von 6 Monaten ab. Die Geschlechtsreife wird allerdings mit ca. 1 Jahr angegeben.

Wildfänge oder Nachzuchten?
Wir empfehlen dringend, nur Nachzuchten zur weiteren Zucht zu verwenden. Sie halten diese Zuchtanleitung ja vor allem deshalb in den Händen, weil wir die noch verbliebenen wilden Bestände schützen wollen.

Fütterung des Zuchtpaares
Die Fütterung des Zuchtpaares ist einer der wichtigsten Punkte für den Zuchterfolg. Das Männchen muss mit sehr hochwertigem und reichlichem Futter fast schon gemästet werden. Immerhin hält es den Laich bis zu 30 Tage im Maul und nimmt in dieser Zeit auch kein Futter auf. Ist das Männchen nicht entsprechend genährt, wird es die Brut nicht austragen!

Aufzucht
Die Eier entwickeln sich im Maul des Männchens. Nach 25 - 30 Tagen werden die Jungtiere entlassen und schwimmen frei. Dies geschieht meist abends nach dem Abschalten der Hauptbeleuchtung. Eine Blaulichtphase oder ein Mondlicht ist daher hilfreich, um Dämmerung zu simulieren. Jetzt ist schnelles Handeln erforderlich. Die Jungtiere sind sofort von den Eltern zu trennen und in das Aufzuchtbecken zu überführen.

Allgemeine Informationen zu den Jungfischen
Anzahl der Jungtiere im Durchschnitt:

  • 20 - 30

Entwicklungsstadien:

  • Beim Entlassen voll entwickelt

Ausfärbung:

  • Ausbildung der Punktezeichnung nach circa 5 Wochen

Überlebensrate:

  • bei separater Aufzucht 90-95 %

Schockgefährdung?
Schockreaktionen wurden uns nur in sehr wenigen Fällen von Züchtern bestätigt. Die Ursache dafür ist bis heute ungeklärt. Wenn sie auftraten, dann beim Umsetzen.

Überführung in das Aufzuchtbecken
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Jungtiere zu überführen:

  • durch Absaugen
  • durch Fangen mittels Kescher
  • mit Glas und feinem Sieb (bevorzugte Methode)
  • Männchen 2 - 3 Tage vor dem Entlassen der Jungen ins Aufzuchtbecken setzen und sofort nach dem Entlassen der Jungen zurücksetzen

Es kann hilfreich sein, noch vor dem Entlassen einen künstlichen Seeigel anzubieten. Die Jungtiere sammeln sich nach dem Entlassen sofort zwischen den „Stacheln“. Oft können sie mitsamt der Attrappe vorsichtig in ein Glas überführt werden. Bei der oben genannten Methode, das Männchen 2 - 3 Tage vor dem Entlassen der Jungen ins Aufzuchtbecken zu setzen, finden die Jungtiere außerdem sofort Schutz.

Ernährung der Jungfische
Füttern Sie mindestens 2 - 3 mal täglich. Wenn Sie öfter füttern können, um so besser! Aber auch mit 2 bis 3 Fütterungen pro Tag können Sie bereits gute Erfolge erzielen. Beginnen Sie mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien oder Copepoden. Wenn Sie Nauplien verwenden, dann achten Sie auf gute Qualität. Verfüttern Sie die Nauplien frisch, also direkt nach dem Schlupf.
Tipp: Reichern Sie die Nauplien vor dem Verfüttern an.

Hinweis: Achten Sie darauf, keine Schalen mit in das Aufzuchtbecken zu bringen. Jungtiere, die diese schnappen, können daran verenden!

Spätestens in der 3. bis 4. Woche sollten Sie auf Frostfutter umstellen. Versuchen Sie aber die Umstellung schon früher, oft nehmen die Jungtiere schon früher feines Frostfutter an. Füttern Sie Lobstereier, Cyclop Eeze, Bosmiden, Cyclops, Artemia oder Mysis (angereichert mit z.B. Lipovit, Food Energizer, etc.). Füttern Sie nach Möglichkeit abwechslungsreich! Hinweis: Das Frostfutter in Bewegung zu halten löst meist den Fressreiz aus!


Zum Schluss
Meist braucht es mehrere Versuche, bis das Austragen das erste Mal klappt. Lassen Sie sich nicht entmutigen. „Mästen“ Sie das Männchen sofort wieder, nachdem es die Jungtiere entlassen hat. Die nächste Eiaufnahme erfolgt oft schon 1 Woche später. Das Zusammensetzen von frisch geschlüpften Jungtieren mit bereits älteren Nachzuchten (10 Wochen oder älter) birgt das Risiko von Kannibalismus.